Mo
21
Feb
2011
Leben auf der Farm
Am 30. Oktober 2010 steht in unserem Tagebuch folgender Eintrag: „Wir bezahlen gerade unsere Camping-Rechnung an der Reception als eine Frau ganz aufgeregt hereinkommt und nach den Schweizern fragt. Anja, ist 2006 in Sambia hängengeblieben, sie ist süddeutsche und hat in Horgen gelebt. Sie freut sich so uns zu treffen und lädt uns spontan zu sich ein und ist ganz enttäuscht, dass wir bereits abreisen. Wir kommen ja wieder nach Sambia in ein paar Monaten und wir tauschen die Email Adressen aus.“
Wir entspannen uns auf der Farm wo wir sehr verwöhnt werden. Es gibt dreimal am Tag richtig leckeres Essen, Anja zeigt uns die Gegend und besucht mit uns ihre Freunde auf den Nachbarfarmen. Wir lernen Antony und Karen kennen, die eine Tabakfarm betreiben. Antony, ein ehemaliger Zimbabweaner, zeigt uns die Farm und die Trocknungsanlage ist sehr beeindruckend. Es riecht scharf nach Tabak und die hohe Luftfeuchtigkeit zusammen mit dem Geruch kratzt im Hals und in den Augen und lässt uns kaum atmen. Antony hat die Farm mit zwei Partnern von Null her aufgebaut nachdem sie Zimbabwe verlassen mussten und nebenbei macht er noch ein MBA in Südafrika.
Einmal nimmt uns Anja mit zu einer kleinen Schule, welche sie zusammen mit Karen am aufbauen ist. Das Gebäude ist fertig, aber die Einrichtung fehlt noch. Trotzdem wird von zwei Hilfslehrern bereits Unterricht abgehalten, sofern diese Lust haben. Gestern ist die Schule ausgefallen, da die Lehrer befunden haben, es sei keine Kreide vorhanden. Die Kreide war da, nur hat sie niemand abgeholt. Anja muss die Lehrerin energisch auf ihre Pflichten aufmerksam machen, da es offenbar nicht das erste Mal vorgekommen war, dass die Schule ausgefallen ist. Anjas Ziel wäre eine Schule, wo sie auch die kleine Finn, ihre Tochter, hinschicken kann, damit sie nicht auf ein Internat gehen muss.
Jeden Donnerstag wird abends Rugby gespielt. Hierfür gibt es eigens ein Rasenfeld mit Flutlicht und alle aus der Umgebung ist herzlich eingeladen mitzutun, danach gibt es jeweils ein Braai. Heute sind zuwenig Nachbarn gekommen für Rugby und so gibt’s nur Braai und Bier und Geschichten. Heute ist auch ein kleiner historischer Moment, denn Nathaly probiert wieder einmal Lamm, was sie bis anhin nicht mochte – siehe da, sie ist begeistert von den kleinen Lammkotelettes!
Am Samstag gehen wir Cilla besuchen. Wir haben schon viel von ihr und ihrem schönen Haus gehört und so waren wir sehr gespannt das Anwesen zu besuchen.
Das Farmhaus ist bereits über hundert Jahre alt und so strahlt es ein altes, aber sympathisches koloniales Erbe aus, in einem wunderbaren Garten mit uralten Bäumen. Cilla stellt uns auch ihren Vater vor, der vor ihr diese Farm geführt hatte und nun zu Besuch aus Johannesburg hier ist. Wir setzen uns neben ihn in das groszügige Wohnzimmer, erfrischen uns bei einem Drink und hören den Geschichten aus dem vergangenen Sambia zu, die uns Cillas Vater erzählt. Die Grossfarm wurde nach der Unabhängigkeit stark verkleinert, denn Grossfarmen wurden nicht mehr gern gesehen. Heute hat die Farm nur noch zweihundert Hektar, auf welchen Cilla auch Impalas und Zebras hält. Sie lebt heute von der Macadamianussprodukton. Ihr Vater nimmt uns mit auf einen kleinen Spaziergang, er zeigt uns zwei Adlernester wie auch die Macadamia Baumplantagen und die kleine Nussproduktionsstätte. Die traditionsreiche Farm, wie auch der Gastgebervater, strahlen eine alterwürdige Ruhe aus und sind ein Teil kolonialer Geschichte. Wir sind fasziniert von Geschichte und Geschichten. Zum Schluss kaufen wir noch von den leckeren Nüssen und verabschieden uns von Cilla, die auf uns wirkt als wäre sie die personifizierte Meril Streep in „Out of Africa“ und wir erwarten jeden Moment den Satz: „ I had a farm near Ngong Hills in Africa....“.
Am Nachmittag setzt sich Gü mit Anja zusammen um ihre Pläne für eine Hauserweiterung anzusehen. Anja ist mit Feuer und Flamme dabei und zeichnet und verwirft, zeichnet neu. Gü stellt ab und zu eine Frage, macht sie auf etwas aufmerksam und schlägt mögliche Alternativen vor. Schliesslich steht der Plan und Anja ist begeistert.
Am Sonntag feiert Finn ihren 2ten Geburtstag und so herrscht schon Frühmorgens eine leicht aufgeregte Geschäftigkeit. Tische und Stühle werden herbeigeschafft und dekoriert. Jeder hat eine Aufgabe zu erledigen und wir sitzen mittendrin und trinken Tee. Es sind ein paar Freunde zum Mittagessen eingeladen. Es wird ein Lammbraten geben, der 8 Stunden im Ofen gegart hatte. Er lag seit Samstagabend um sechs im Ofen und so ist Nathaly nachts um zwei aufgestanden und hat den Ofen ausgeschaltet. Am Mittag treffen die Gäste ein. Neben Cilla und ihrem Vater kommen André und Dolly mit ihrem ebenfalls zweijährigen Sohn und einem frischgeborenen Baby. Dolly ist eine Freundin von Anja aus der Schweiz und ebenfalls aus Liebe, oder verkuppelt durch Anja, hier hängengeblieben. Zusammen mit uns und Pat und Merl ergibt sich eine schöne lange Tafel. Das schöne und superleckere Essen ist schnell verschlungen und schon stehen zwei süsse Torten auf dem Tisch. Angenehme Gespräche lassen den Tag schnell vergehen und bald geniessen wir den ruhigen Abend wieder zu viert.
Nach einer Woche ist es Zeit für den Abschied. Wir haben die Tage auf der Farm sehr genossen und wir würden am liebsten noch länger bleiben. Aber zum einen wollen wir die grosse Gastfreundschaft unserer neu gewonnenen Freunde nicht überstrapazieren, denn wir wollen ja wiederkommen und zum anderen wartet Patrick und Gema bereits in Kasane auf uns, um einige Zeit mit uns zu reisen. Ein kurzer schon sehr trauriger Abschied und wir sind bereits on the road again. Wir hoffen wirklich auf ein Wiedersehen in Zukunft mit Anja und Kevin.
Hier ein paar Fotos von Nagwaza und den wunderbaren Menschen
