Do

03

Feb

2011

Kühle Schönheit: das Nyika Plateau

Wir sind auf 2200 müM auf dem Nyika Plateau. Es ist hier wie in Schottland oder vielleicht Kanada.

Der Camping liegt am Rande eines Fichten Wäldchens mit Aussicht auf eine karge, aber jetzt zur Regenzeit saftig grüne Wiesenlandschaft. Die Reception und Lodge ist 2 km entfernt, eine ehemalige Sägerei und sieht auch aus wie in Kanada (was wir allerdings nur von Fotos kennen). Auf dem Weg zum Camping werden wir von einer neugierigen Eule und einer kleinen Gruppe Zebras empfangen.

Es gibt hier drei Stellplätze mit Schatten- bzw. Regendach, saubere WC/Duschen mit Donkey (Warmwasseraufbereitung mittels Regenfass über einem Feuer) und einem Holzfällerhäuschen, das als Küche dient. Der Caretaker hat die Küche und den Donkey für uns eingeheizt und macht uns ein Lagerfeuer. Wir sind die einzigen Gäste in Lodge und Camping. Es ist extrem ruhig und einsam, genauso wie wir es gerne haben. Nach einer heissen Dusche essen wir einen Maissalat mit Mango und Fetakäse am Lagerfeuer. Gestern konnten wir wegen der Hitze kaum einschlafen und heute frieren wir bereits beim Abendessen. Dies ist einer der Gegensätze, die uns auf unserer ganzen Reise begleiten.

Die kalten Nächte verlangen nach langer Unterhose und warmem Langarmshirt mit Faserpelz darüber. Ich bin fast ein bisschen froh, als es Tag wird. Nathaly kann fast nicht aufwachen. Dies ist bei ihr normal, wenn wir in die Höhe fahren, es ist wie im Engadin nur eben etwas höher. Ich plaziere unsere Stühle, betrachte die kühle Schönheit der Natur und lausche den Vögeln. In der Ferne erspähe ich Elenantilopen, Zebras, Roanantilopen und Riedböcke und etwas näher auch Buschböcke. Sonne und Wolken wechseln sich ab und es wird allmählich etwas wärmer. Nun gesellt sich auch Nathaly zu mir und wir trinken unseren Tee, lesen und gucken. Die Zeit verfliegt ohne grossen Aufwand. Am Nachmittag backen wir ein Olivenbrot auf dem Feuer. An einigen Tagen wandern wir eine halbe Stunde zur Lodge und trinken ein „Feierabendbier“. Auf diesen Wanderungen können wir eine grosse Herde Eland mit ca. 100 Tieren beobachten und wir begegnen auch Roanantilopen, Bushbocks und Zebras.

Nach dem Abendessen sitzen wir gerne am Lagerfeuer, geniessen die Stille, die Sterne und lesen, bis es zu kalt wird und schon liegen wir wieder eingemummt in unserem Bett.

 

An anderen Tagen auf dem Plateau sind die Morgen grau und zwischendurch ist es auch regnerisch und arschkalt. Wir tragen auch tagsüber lange Unterhosen, Trainerhose und Regenhose, einen langen Pulli, Faserpelz, Softshell und Regenjacke. An einem solchen Tag kochen wir ein richtiges Cowboyessen, Linsen mit Speck und Kartoffeln im Topf über dem Feuer. Superlecker!

 

Da das Wetter einigermassen schön ist, machen wir uns am vierten Tag auf zu dem geplanten Ausflug über das Plateau. Wir fahren 60 km durch das Hochland. Ausser einem Auto am Anfang der Exkursion begegnen wir niemandem. Das ganze Hochland ist menschenleer und ausser ein paar Bäumen entlang kleinen Bächen besteht die hügelige Landschaft aus Magerwiese. Dementsprechend hat es die verschiedensten Blumen und Gräser in allen Formen und Farben. Tiere sehen wir nur wenige. Vereinzelt sehen wir auch Vögel, aber manchmal haben wir Schwierigkeiten mit der Identifikation, weil sie zu schnell oder zu ähnlich sind. Wir machen auf der Hochebene eine Pause, setzen uns aufs Autodach und essen ein Sandwich, doch der Wind ist zu kalt um länger zu verweilen. Wieder unterwegs beobachten wir die Schwalben, als unvermittelt eine Wolke über die Hügel gezogen kommt und von einem Moment auf den anderen ist die Sicht fast gleich Null. Doch so schnell die Wolken kommen, gehen sie auch wieder. Plötzlich erspäht Nathaly am gegenüberliegenden Hügel drei Elefanten. Wir beobachten die zwei grossen und den kleinen Elefanten wie sie auf unsere Seite das Baches wechseln aber anstelle der drei Elefanten taucht plötzlich eine ganze Herde mit zwanzig Tieren hinter dem Hügel hervor. Es ist fast surreal, die Elefanten in dieser grünen, baumlosen, fast Schottischen Umgebung zu beobachten. Die grauen Riesen bewegen sich langsam durch die Ebene und doch sind sie so schnell ausser Sicht wie sie gekommen sind. So ist es in der Natur, es ist alles eine Frage zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, dies lässt sich nur schwierig planen, und die Tiere sind oft nur kurz zu sehen. Wie uns am Abend auch der Guide in der Lodge bestätigt hatten wir grosses Glück die Elefanten zu sehen.

Hier geht's zu den Fotos

 

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