Do

30

Dez

2010

Schimpansen im Regenwald

Wir sind gestern im Kibale Forest Nationalpark (Uganda) angekommen und haben die Nacht auf einem schönen Camping auf einer Lichtung mitten im Urwald verbracht.

Am Vorabend haben wir uns beim Headquarter erkundigt nach dem Schimpansentracking. Leider sind die nächsten Tage alles ausgebucht aber wir kommen auf Standby. Man werde uns holen kommen, wenn jemand nicht erscheint, dies zeige sich morgens früh um Acht.

Heute sind wir früh auf und stehen nach einem heissen Tee schon bald bereit für die Wanderung, auch wenn wir gar nicht wissen, ob das heute klappt. Kurz vor acht sind wir beim Headquarter. Die geführten Touristen sind auch da und ich spüre eine fröhliche Aufregung. Gü und ich melden uns bei der Reception, setzen uns dann auf die Seite und plaudern mit ein paar Führern. Ein tschechisches Paar ist auch spontan unterwegs wie wir und wartet auf freie Plätze genau wie wir. Sie sind mit dem Fahrrad unterwegs in Uganda, das finde ich echt beeindruckend. Schon bald sind die ersten Gruppen beim Briefing oder Unterwegs zu den Schimpansen, es scheinen alle vollzählig, Pech für uns. Da kommt eine der Mitarbeiterinnen auf uns zu und meint, wir sollen um 11h wieder herkommen. Die Frage, ob wir dann gehen können, beantwortet sie mit „Maybe, nothing promised“. Wir sind guten Mutes und werden belohnt, denn um 11h dürfen die Tschechen und wir mit einem Guide losziehen. Zuerst geht es mit dem Auto 10 Minuten aussen um den dichten Wald und eine Stichstrasse rein. Von dort wandern wir zu Fuss weiter. Der Wald ist magisch, dicht und saftig grün bewachsen, mit hohen Bäumen, die weit über uns ihre Baumkronen wiegen, überall Vogelgezwitscher und Insektengezirpe. Zwischendurch bekommen wir auch einen Vogel oder eine schöne Spinne zu sehen. Unser Führer hält immer mal an und erklärt uns etwas zu den Schimpansen. Er erzählt, wie sie zusammenleben und wie die Hierarchie ist, mit einem Trupp „älterer Männer“, „die Frauen und Kinder“ oder auch „die Jugendbande“. Es gibt einen eindeutigen Chef, den er „Prime Minister“ nennt. Diese Stellung erobert ein Schimpanse nur mit der Unterstützung anderer, d.h. es werden laufend Koalitionen gebildet und das Netzwerk erweitert, mit einer klaren Strategie und politischem Kalkül, inklusive gelegentlicher Putschversuche und Machtdemonstrationen. Er zeigt uns einen Baum mit merkwürdig gefächertem Stamm. Es sei das Schimpansen-Handy, die Affen klopfen auf die Schmalen Seiten des Stammes und übermitteln so Informationen an andere Affen des gleichen Clans. Sie seien darin virtuos – hach wäre es toll das zu hören oder sogar zu sehen! Noch gibt es kein Spur von Schimpansen und wir wandern immer weiter. Da hören wir plötzlich lautes Gezeter durch den Wald und gleich darauf meldet sich eine andere Führerin über den Funk. Sie seien auf dem Rückweg und stehe zwischen zwei Trupps, eines seien die älteren Männer und eines die Teenager, die Rufe kommen von letzteren. Unser Guide erklärt uns, dass die Teenager gerne wissen wollen, wo die anderen sind, aber die älteren Männer geben sich nicht mit so Bübchen ab und antworten einfach nicht. Wir gehen noch ein kurzes Stück weiter und „woah, da sind sie!“ (lautes Flüstern). Wir sind alle total aufgeregt. Es sind die „älteren Männer“ und tatsächlich sind einige von ihnen ergraut im Gesicht. Sie kommen gerade angeschlendert und lassen sich vor unseren Augen nieder für ihre Ruhepause nach dem Frühstück. Unser Guide ist sensationell „just relax and enjoy and if you have a question, I am here“. Wir sehen sieben grosse Schimpansen, wie sie sich gegenseitig lausen und sich die wenigen Sonnenstrahlen, die es durch das dichte Blätterwerk schaffen, auf ihr Fell scheinen lassen. Wir dürfen bis auf wenige Meter auf sie zugehen. Sie würden sich schon zurückziehen, wenn sie es zu nah empfänden. Sie sind ganz entspannt, schlafen, lausen sich gegenseitig, grübeln etwas auf dem Boden herum oder sitzen einfach da und beobachten uns wie wir sie. Wir staunen und machen viele Fotos, was in dem dichten Wald gar nicht so einfach ist. Wir freuen uns auch einfach über das Glück, so nah an diese wunderbaren Geschöpfe heranzukommen. Die Gesichter sind so menschenähnlich, jedes anders und spannend. Jeder der Schimpansen hat einen Namen nach einer für sie typischen Eigenart und unser Führer weiss sie alle. Das kann ein gekrümmter Finger sein, oder ein vorwitziges Verhalten. Einer der kleinen Kerlchen posiert richtig für uns, mit unterschiedlichem Gesichtsausdruck und Haltung. Andere verziehen sich lieber etwas mehr ins dichte Gestrüpp. Wieder andere ignorieren uns vollkommen und widmen sich genüsslich der Fellreinigung eines Kameraden. Sie wirken weise und erfahren. Wir verweilen eine stille und fast mystische Stunde lang bei und mit ihnen, in der magischen Atmosphäre des Waldes, der uns die Welt ausserhalb vollkommen vergessen lässt. Dann brechen wir auf, denn schon bald kommen die Nachmittagsbesucher und unser Führer möchte den Schimpansen eine Pause gönnen. Auf dem Weg zurück hören wir plötzlich lautes Affengeschrei, es geht durch Mark und Bein und wir bleiben wie angewurzelt stehen. Unser Führer sagt, jetzt komme der Prime Minister und tatsächlich sehen wir zuerst einen grossen Bodyguard, dann ein grosser Schimpanse mit wichtiger Miene, dann ein paar Minister und Gefolgsleute. Das Geschrei kommt von einem anderen Teil des Trupps tiefer im Wald, die den Prime Minister ehrerbietig begrüssen. Am liebsten würden wir der Gruppe folgen und sehen, wie sie auf die anderen trifft und was dabei geschieht. Aber unsere Zeit ist für dieses Mal vorbei und wir marschieren dankbar und glücklich durch den wunderbaren Wald zu unserem Zuhause in der Lichtung.

Den restlichen Nachmittag sind wir noch ganz beseelt von diesem traumhaften Erlebnis und wir schauen uns auch gleich die Fotos an, die wunderbar gelungen sind.

 

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