Sa
25
Dez
2010
Vogelreiche Bootstour
Heute fahren wir in den Queen Elisabeth National Park, um eine Bootsfahrt zu machen.
Es ist der 25. Dezember, der erste Weihnachtstag, und an diesem Tag feiern die Angelsachsen Weihnachten. Wir befürchten schon, dass sich jede Menge Menschen im Park und auf dem Boot tummeln, aber das ist nicht so. Es ist ein angenehmer Park mit wenig Verkehr. Natürlich halten wir unterwegs Ausschau nach Tieren und entdecken auch ein paar Elefanten von weitem. Ansonsten ist nicht viel los. Einige Tiere bekommen wir auf der Campsite zu sehen, da laufen ziemlich menschenfreundliche Warthogs (Warzenschweine) herum, auch Elefanten sind zu sehen und natürlich Vögel.
Nach einiger Verwirrung, finden wir dann auch die Reception des Hotels, wo wir unsere Bootstour gebucht haben. Ich bin etwas genervt, weil uns der Ranger am Gate falsch versteht und uns statt zum Hotel runter zum Jetty schickt - genervt und auch hungrig, eine grundsätzlich schlechte Kombination. Wir bezahlen unsere Tour und treffen Reto und Barbara auf der Terrasse. Ich möchte etwas essen und erkundige mich im Restaurant: „there is a buffet“, „can I have something small, like a sandwich?“, „No“. Das trägt nicht gerade dazu bei, dass sich meine düstere Laune verbessert und ich sitze vor mich hinschimpfend und schlürfe mein Stoney. Bald machen wir uns auf den Weg, wieder runter zum Jetty. Das Boot ist klein und sehr gepflegt, die zweiköpfige Crew, ein Captain und ein Guide, sind schick angezogen und heissen uns herzlich willkommen. Wir sind die ersten und schnappen uns die besten Plätze gleich zuvorderst. Nach ein paar Vorinformationen und Sicherheitshinweisen geht es los. Wir fahren auf dem Kanal, der den Lake Edward mit dem Lake George verbindet. Unser Reiseführerbuch betonte, dass man sich auf die linke Seite des Bootes setzen soll, und das machen wir auch – zum Glück. Denn die ganze Tour geht dem linken Kanalufer entlang Richtung Lake Edward und wir haben eine super Sicht auf Landschaft und Tiere. Und davon gibt es jede Menge. Erst sehen wir zwei grosse Elefanten am Ufer stehen, im Wasser tummeln sich ein paar Hyppos. Von weitem sehen wir einen grossen Vogelschwarm am Ufer entlang fliegen, bei näherer Betrachtung sehen wir diese riesige Gruppe von African Skimmer, ein möwenartiger Vogel mit einem kräftig-orangen Schnabel. Am Ufer steht ganz nah ein Yellow-billed Stork und äugt uns an. Pied Kingfisher, diese fantastischen, schwarzweissen Flieger sieht man auf den Papyrushalmen sitzen oder über dem Wasser hin- und herfliegen. Dieser hübsche Vogel hoovert immer wieder an Ort und Stelle in der Luft, mit dem Kopf nach unten geneigt das Wasser beobachtend, und lässt sich plötzlich senkrecht aus hoher Luft ins Wasser fallen, um seine Beute zu schnappen. Weniger schön ist es ihm dabei zuzusehen wie er seine Beute „erlegt“. Er setzt sich auf einen Zweig und schlägt den Fisch, Frosch oder Babyvogel wiederholt auf den Ast runter, bis er wortwörtlich weich geklopft, tot und somit verschlingbar ist. Unmittelbar neben uns nimmt ein Elefant ein Bad im Fluss und über uns flitzt eine grosse Gruppe Skimmer vorbei – Toll!
Die ersten schönen Begegnungen hellen meine Stimmung bereits auf, dann noch ein paar der mitgebrachten Kekse geknabbert und schon bin ich rundum freudig, aufgeregt und glücklich.
Wir cruisen dem Ufer entlang und begegnen Büffeln, noch mehr Hippos und Elefanten, Krokodilen und vielen verschiedenen Vögeln: Grey Heron, African Spoonbill, der für seinen Schrei berühmte African Fish Eagle, ein Common Squacco Heron, Great Egret, Cattle Egrets, ein paar Hadada und Sacred Ibisse, ein Egyptian Goose Paar, Yellow-billed Oxpecker, einige Spur-winged Lapwings, ein African Jacana, Marabu Storks und immer wieder verschiedene Arten von Kingfischern: der erwähnte Pied Kingfisher, ein Malachite Kingfisher und der Winzling African Pygmy Kingfisher. Nach gut zwei Stunden treffen wir auf eine Halbinsel wo sich neben zwei Hippos grosse Schwärme von Great Cormorants und Great White sowie Pink-backed Pelicans tummeln. Wir sind total begeistert, was für eine traumhafte Vogelwelt. Dann fängt es an zu regnen und wir begegnen zum Schluss noch einem einsamen Elefangenbullen mitten im strömenden Regen gemütlich im seichten Wasser stehen und Grass mampfen. Vor uns öffnet sich der weite Lake Edward und hier endet unsere Reise bzw. wir fahren im Schnelltempo zurück zum Jetty. Kaum angekommen hat der Regen aufgehört. Wir fahren superglücklich über das Erlebte zurück zum Camping, kochen ein schnelles, leckeres Kürbiscurry mit Reis und geniessen die Nachtgeräusche und -stimmung in der Wildnis.
