Di
14
Dez
2010
Sprachlos in Ruanda
Etwas Geschichtsbildung muss in Ruanda sein. Hier hat 1994 ein unbeschreiblicher Genozid stattgefunden. Die Welt hat weggeschaut als über eine Million Tutsis von den Hutus auf undenkbar brutale Weise umgebracht wurden.
Wir besuchen zwei ehemalige Kirchen, welche heute als Gedenkstätten dienen. In diesen Kirchen hatten sich geflüchtete Tutsis versteckt, in der Hoffnung, dass ihre Peiniger diesen Ort respektieren würden. Dem war nicht so und die Menschen wurden in der Kirche und in den Nebengebäuden auf erniedrigenste Art gequält und umgebracht. Die Orte und die Ausführungen der Führerin sind sehr bedrückend, für uns so unglaublich abstrakt, sonst wäre es kaum aushaltbar. Auch die Führerin erklärt alles sehr distanziert, obwohl sie selbst ein Opfer war. Erst als der Reiseleiter zweier anderer Touristen ihr in ihrer Muttersprache Fragen stellt, wird es sehr emotional und die Abstraktheit verschwindet für einen kleinen Moment. Neben der Brutalität ist für mich die Rolle der Welt schlichtweg unverständlich, obwohl alles bekannt war, wurde fast nichts darüber berichtet, obwohl Hilferufe an viele Staatsoberhäupter und Regierungen gingen, wurde nichts unternommen. Der Rest der Welt hat es schlicht als Stammesfehde betrachtet und französische Soldaten sollen gar mitgemacht haben. Wir sind sprachlos und erschüttert und gleichzeitig froh, dass wir uns dem gestellt haben.
Heute leben Tutsi und Hutu in dem kleinen Land zusammen. „Forgive and Forget“ ist das Thema. Wenn man die Ruander fragt, von welchem Stamm sie seien, ist die Antwort fast immer „I am a Ruandan“. Der Präsident Peter Kagame, der das Land seit dem Genozid regiert, hat einen Schwerpunkt auf das Zusammenleben der verschiedenen Stämme gesetzt, und scheint dabei erfolgreich. Wir wünschen, dass dies für immer anhält.
