So
12
Dez
2010
Panne im Nirgendwo
30 km nach Geita auf dem Weg nach Ruanda bemerke ich einen Brandgeruch und wir fragen uns, ob der Geruch von unserem Auto oder von draussen kommt.
Als dann ein Räuchlein aus der Motorhaube zu sehen ist gebe ich dem vor uns fahrenden Reto mit Lichthupe Zeichen und fahre an den Rand. Der Motor qualmt. Ein erster Check zeigt einen total ölverschmierten Motor. Nach einem ersten grossen Schreck - ich denke der Motor ist hin - stellen wir nüchtern fest, es muss entweder der Rotationsfilter oder der Ölfilter sein, der leckt. Nathalys Analyse ergibt, dass es der obere Rotationsfilter sein muss, da das Öl weit im oberen Teil des Motorraums verteilt ist. Beim letzten Service in Arusha wurde der Deckel des Filters nicht richtig verschraubt und eine Schraube ging verloren. Nachdem wir unseren und Retos Schraubenvorrat durchforstet haben, stellen wir fest, dass die passenden Schrauben nicht ziehen. Der Deckel lässt sich nicht so einfach befestigen und da wir sowieso kein Öl mehr haben, nützt eh alles nichts. Wir beschliessen, dass uns Reto ca. 40km nach Geita zurückschleppt, und so kommt zum ersten Mal unser Abschleppseil zum Einsatz. Nach ein paar Kilometern hält uns ein Mann auf und fragt was das Problem sei. Wir brauchen eine Garage. Er erklärt uns, dass in der entgegengesetzten Richtung im nächsten Dorf eine gute Garage sei, er könne dahinfahren und uns eine Schraube besorgen. Wir bedanken uns und erklären ihm, dass wir lieber selbst dahinfahren. Im nächsten Dorf angelangt hält uns wieder jemand an und fragt warum wir mit eingeschalteter Warnblinkanlage fahren. Naja, warum wohl, wir schleppen uns aus Spass durch die afrikanische Pampas?
Er ist eifrig und organisiert uns zwei Mechaniker. Nachdem wir den Zweien mit Handzeichen unser Problem geschildert haben, ist auch schon das ganze Dorf um unser Auto versammelt. Alle wollen irgendwie helfen oder besser sich unterhalten lassen. Ich komme fast nicht mehr zum Auto. Der selbsternannte erste Helfer fungiert als Übersetzer und erklärt, die Mechaniker müssten den Luftfilterschlauch und auch den Dieselfilter ausbauen um von unten den Rotationsfilterdeckel mit einer Konterschraube zu befestigen. Mir ist ganz mulmig, weiss ich doch, dass der Dieselfilter beim TD5 nur mit Spezialwerkzeug entfernbar ist. Im vorletzten Service hatte der Mechaniker noch Hammer und Meissel dafür verwendet und den Filter ganz einfach durchbohrt um ihn abzuschrauben. Wir staunen nicht schlecht, als die Beiden den Filter im Nu mittels eines selbstgeflochtenen Seils herausschrauben können. Die wissen wirklich, was sie tun und das mitten im Nirgendwo! Die Reparatur dauert nicht lange und der Übersetzer bringt mich nun zu „seinem“ Shop um Öl zu kaufen. Ich erstehe fünf Liter no Name Öl für 50'000 Schillingi (etwa 50 CHF), etwa doppelt soviel wie erwartet, aber mir bleibt keine Wahl, ich versuche noch zu verhandeln, aber die Verkäuferin meint nur lakonisch, ich könnte auch ein billiges schlechteres Öl kriegen. Nachdem der Mechaniker auch gleich noch den Rest des Öls abgelassen hat, reichen die fünf Liter natürlich nicht. Wir füllen noch unsere zwei Liter Reserveöl ein und ich kaufe nochmals einen Liter dazu, diesmal für 5'000 Schillingi, denn ich bekomme Rabatt!
Die Rechnung der Mechaniker ist auch gesalzen und ich sage schlichtweg nein, denn für die gefragten 80'000 Schillingi haben wir das letzte Mal einen ganzen Service machen lassen. Sie meinen nur dies sei halt ein Notfalltarif. Ich erkläre ihnen, dass man uns in anderen afrikanischen Ländern freundlicher begegnet und uns sogar gratis hilft. Sie sollen einen Rafiki (Freund) und keinen Mzungu (Fremder) Preis machen. Nun wollen sie 40'000 Schillingi, was immer noch ein Muzungu Preis ist, aber schon näher an der Wirklichkeit liegt. Ich bezahle und zurück bleibt der Nachgeschmack, dass man in Tansania als Weisser nur als Dollarschein wahrgenommen wird. Wir freuen uns aber auch darüber, dass das Problem so einfach gelöst werden konnte und wir heute noch nach Ruanda einreisen können.
Fotos zu dem Dorf-Spektakel
