Mi

17

Nov

2010

Wuselgrenze Sambia-Tansania

Heute steht wieder ein Grenzübergang auf dem Programm, dieser soll es in sich haben, da gebaut wird und man sich schlecht zurecht finden soll - war das bei den anderen anders?

Wir sind vorbereitet, aber auf dieses nervenaufreibende Gezehr dann doch nicht.

Die Ausreise aus Sambia: die Grenze ist eine riesige Baustelle, Parkplätze gibt es keine, dafür viele kreuz und quer stehende Autos und Lastwagen und tausend (oder so) Hawker, Schlepper und Schaulustige. Bei einer Arbeitslosigkeit von 84% gibt es jede Menge Männer, die nichts zu tun haben und sich die Zeit an der Grenze vertreiben, wo es immer etwas zu schauen und erleben gibt. Wir quetschen unser Auto zwischen zwei Lastwagen und schaffen es kaum, aus der Tür zu kommen, da wir innert Sekunden von einer Traube von Menschen umringt werden. Mehrere wollen auf das Auto aufpassen, ein paar wollen uns zeigen, wo es lang geht, um den Papierkram zu erledigen, mindestens fünf sind illegale Geldwechsler, zwei wollen uns die (obligatorische) Third-Party-Insurance verkaufen, dazu kommen die SIM Card Verkäufer. Jeder will ein Stück von den Mzungus (Fremde) abhaben. Alle reden gleichzeitig. Wir sagen deutlich, wir brauchen nichts und unser Auto braucht auch nichts, das scheinen sie aber gar nicht zu hören. Uns wird der Weg gezeigt, den wir auch selbst erkennen, gibt es doch nur ein intaktes Gebäude. Ich wechsle die Taktik und suche einen aus „Du kannst uns begleiten, wenn Du uns alle anderen vom Leibe hältst“. Das macht er dann prompt, und es ist eine Wohltat. Wir erledigen den Papierkram: Exit Stempel in den Pass, Ausreisebestätigung ins Carnet de Passage (Pass für das Auto), Polizei-Check aller Unterlagen. Wir bezahlen den „Begleiter“, rund 2$, was bei einem durchschnittlichen Tageslohn von 3$ viel ist, er aber sofort meint, dass es zuwenig sei. Gü nimmt ihm den Schein aus der Hand und erwidert, dass wir auch gar nichts bezahlen können – und schon ist er zufrieden. Sofort melden sich fünf, die die gleiche Aufgabe auf der Tansania Seite für uns übernehmen wollen. Einer ist besonders dreist, auf unsere Frage hin zählt er auf, was die verschiedenen Kosten sind: das Visum kostet 50$, der Agent kostet 50$, die Road Tax 25$. Wir horchen auf „Agent“? Ja, das sei sein Honorar, dass er uns durch die Zollformalitäten begleitet. Wir können nur lachen und sagen ihm er soll verschwinden. Er beschwichtigt und meint, er würde es auch für 10$ machen. Wir nennen ihn einen Dieb und Abzocker und ignorieren ihn.

Die Einreise nach Tansania: Hier gibt es klar ersichtliche Zollgebäude, Immigration in dem einen, Customs in dem anderen, die Polizeikontrolle in einem dritten. Der Autobewacher, der schon auf der Sambischen Seite „aufgepasst“ hat, ist auch wieder da. Ich verstehe, dass sie auch etwas Geld verdienen wollen und so gebe ich ihm den offiziellen Autobewachungsauftrag. Bei der Immigration freuen sie sich über unsere paar Brocken Kisuaheli, zeigen uns, wo wir als nächstes hin müssen und meinen, wir sollen die Hawker draussen ignorieren. Zwischendurch schau ich, was der Autobewacher macht. Er sitzt mit dem Rücken zum Auto über sein Handy gebeugt. Ich schlendere zu ihm rüber und meine, so sei es doch eher schwierig, das Auto bewachen zu können, er sehe es ja gar nicht. Er schaut ertappt auf und meint dann „doch, doch, ich sehe es, wenn ich hier in das Fenster des Hauses schaue, sehe ich die Spiegelung des Autos“ – eine wunderbar afrikanische Antwort. Wir erledigen alle Formalitäten, immer gefolgt vom „Agenten“. Als wir nach total 2,5 Stunden wieder ins Auto steigen, meint er, was denn jetzt mit seinem Honorar sei! Während unserer Reise erleben wir immer wieder solche Situationen, wo wir in einem Moment einen Disput haben mit einem Lokalen, und der dies im nächsten Moment schon wieder komplett vergessen hat. Die Afrikaner sind sich kaum lang böse und gehen nach fünf Minuten miteinander um, als ob es gar nie ein Problem gegeben hätte. Auch wenn es für uns vielleicht nervig und unverständlich ist, so realisieren wir auch, dass wir uns da echt was abschauen können – „Forgive and Forget“ sagen die Tansanier.

Wir sind froh, alles hinter uns gebracht zu haben und kommen nach kurzer Weiterfahrt in der Utengule Lodge an, wo uns angeboten wird, entweder auf dem „Helilandeplatz zu campieren oder neben dem Tennisplatz. Wir entscheiden uns aus Schattengründen für das zweitere. Utengule ist eine Kaffeeplantage, die einem Schweizer gehört. Als Camper dürfen wir auch den Pool benutzen und wir erholen uns am Nachmittag von den Grenz-Strapazen mit Rumhängen am und Schwimmen im Pool.

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