Mi
08
Dez
2010
Wir und die Serengeti
Wir waren vor vier Jahren in der Serengeti und hatten ein traumhaftes Erlebnis mit der berühmten Migration der Gnus.
Als Selbstfahrer ist die Serengeti eine andere Geschichte, allein für die Durchquerung der Ngorongoro Conservation müssen wir 200$ bezahlen, dann nochmals 140$ für die Serengeti und 60$ für einmal Campieren. In 24h muss man aus dem jeweiligen Gebiet ausgereist sein, sonst bezahlt man die gleichen Gebühren nochmals. Wir reisen mit gemischten Gefühlen an. Wir müssen die Ngorongoro Conservation um 11h verlassen haben, hier ist man sehr strickt, denn um 11.15h könnte man ja nochmals kassieren. Wir haben aber das Problem, dass wir erst um 14h in die Serengeti einfahren können, da wir es sonst morgen nicht rechtzeitig im Weste wieder raus schaffen. Wir schaffen es, die Ngorongoro Gegend eine Stunde zu früh um 10h zu verlassen, müssen nun aber vier Stunden am Serengeti Gate warten bis wir eintreten dürfen. Als alles geregelt und bezahlt ist wollen wir über die Gol Kopies fahren – falsch geplant – dies muss am Gate angemeldet werden und kostet nochmals 10$ extra. Wir sind etwas frustriert, behandelt man uns hier als Cashcows und dies nicht mal freundlich. Irgendwie sind alle hier unfreundlich oder missmutig, Angestellte, Führer und sogar die anderen Touristen. Es scheint, als seien alle etwas im Stress. Vielleicht hängt es mit den hohen Eintrittsgebühren zusammen und dem entsprechenden Zeitdruck. Die Angestellten sind schlecht gelaunt, weil sie wahrscheinlich im Monat weniger verdienen als ein Tourist pro Tag bezahlt, die Führer haben Stress, da sie den Touristen möglichst schnell die Big Five zeigen müssen und die Touristen sind missmutig, da sie für sehr viel Geld keine oder verdreckte Toiletten bekommen. Nichts desto trotz, die Landschaft ist umwerfend schön und die Tiere sind Zugabe. Wir fahren weg vom Hauptweg und geniessen die endlosen Plains. Zum ersten Mal machen wir auch Bekanntschaft mit der berühmten Black Cotton Soil, einer Art glitschiger, matschiger Torferde. Ein kleiner Schlenker und unser 3 Tonnen Landrover macht eine Pirouette um 180° - wow! Ein paar Kilometer weiter wird’s dann richtig offroadig, die Strasse gleicht eher einem Bachbett als einem Weg, aber irgendwie schaffe ich es wieder hinaus aus dem Schlammbett.
Auf dem Campingplatz - hier gibt es 1 Plumpsklo für 100 Leute - stellen wir uns an den Rand des Parkplatzes, denn mit einem Dachzelt oder wie wir mit einem Hubdach kann man nicht auf den Camping. Als dann noch die Caretaker anmarschieren und unfreundlich „your Papers“ bellen, antwortet Nathaly erst mal mit „Salama“ (guten Tag) und „Habari“ (wie geht es) und dann „if you say PLEASE“ you can see our papers. Kurzes Zögern, dann ein „Salama“ und ein „Nzuri“ (mir geht es gut). Na, geht doch, Höflichkeit, wie man es von uns im ganzen Land erwartet. Wir nehmens afrikanisch gelassen, ändern kann man hier sowieso nichts und wir sind ja hier auf dem Camping nur von 6h – 6h, für 60$ ein Schnäppchen, denn Büffel hinterm Zelt gibts gratis dazu.
Um 6h fahren wir als Erste los, bis 7h sehen wir praktisch kein einziges Tier und landen prompt wieder in einer Schlammpassage. Der Landrover rutscht unsteuerbar einen kleinen Abhang hinunter und ich bin heil froh, dass er nicht kippt. Mit eingeschalteter Differenzialsperre fahre ich mit den zwei rechten Rädern in einem Graben bis ich das Fahrzeug wieder auf den Feldweg kriege. Zum Glück ists ein Landrover.
Nun sehen wir doch noch viele Tiere, grosse Herden Gnus wandern Richtung Südosten, Büffelherden, Elefanten, Zebras und verschiedene Antilopen wie Impalas, Thomson’s, Grant’s Gazellen und Topis. Wir können auch beobachten, wie ein Zebra eine Hyäne „angreift“ und verscheucht. Die Landschaft ist traumhaft. Leider sehen wir lange keine Katzen, bis wir endlich doch noch eine Gepardin erspähen und beobachten können. Wir sind wieder etwas mit der Serengeti versöhnt, aber wahrscheinlich sollte man es doch bei einem „Once in a Lifetime“ Erlebnis belassen, das erste Mal war doch am schönsten. Heute sind wir nicht mal mehr traurig die Serengeti zu verlassen. Als wir uns um 13.30h pünktlich abmelden, meint eine wiederum unfreundliche Beamtin enttäuscht „oh, you are not late“. So eine Schande auch, kann sie nicht noch mehr kassieren oder ein kleines Bestechungsgeld rauspressen. Die Schweizer Cashcows migrieren aus dem Park hinaus. Auf dem angrenzenden Camping empfängt man uns wieder in der gewohnt afrikanischen Freundlichkeit. FOTOS
