Do

04

Nov

2010

Bad in heisser Quelle

Wir haben beschlossen, nicht durch das Luangwatal zu fahren, da der erste Regen unmittelbar vor der Türe steht. Stattdessen geht es in den Norden Sambias.

Die Fahrt das Escarpement des Luangwatals hinab und die ersten paar Flussquerungen wären wahrscheinlich noch machbar, aber wenn es zu regnen beginnt während wir im Tal sind, könnte es passieren, dass wir nicht mehr rauskommen, da man in alle Richtungen schwierige Strassenverhältnisse hat. Während der Regenzeit werden diese Strassen unpassierbar. Wir entschliessen uns also Richtung Norden auf der Asphaltstrasse zu fahren und die Hot Springs zu besuchen. Unterwegs kaufen wir ein paar Dinge in einem kleinen Laden ein. Hier fragen wir auch nach Bier und man führt uns ein paar Häuser weiter in eine Bar, wo uns eine Sicherheitsbeamtin mit einer Maschinenpistole freundlich empfängt. Wir bekommen zwölf Büchsen Bier, der Preis wird mit dem Handy berechnet. Auf dem Fussmarsch zum Auto zurück schauen wir was die Leute am Strassenrand verkaufen, es sind leckere, frische und getrocknete Caterpillars (Raupen). Wir sind noch nicht soweit sie zu probieren.

Wir erreichen die Kapishya Hot Springs Lodge and Camping. Hier kann man für 10$ p.P. campieren und darf das ganze Anwesen inklusive der Heissen Quellen benutzen. Wir sind die einzigen Gäste auf dem Campingplatz und wählen unseren Stellplatz direkt am Ufer des Flusses inmitten tropischer Vegetation. Wir spazieren mit unseren Feldstechern durch das Anwesen als uns Marc, der Inhaber entdeckt. Er erkennt uns als Birders (Vogelliebhaber) und erklärt uns, wann wir wo welchen Vogel entdecken können. Es gibt viele exotische Pflanzen und Vögel hier. Und eben diese heisse Quelle. Wir waschen uns im Quellfluss und nehmen danach ein Bad in der heissen Quelle. Das Wasser ist glasklar und wärmer als Körpertemperatur, es fühlt sich an wie in einer natürlichen Badewanne.

Beim Abendessen unterhalten uns bestens mit Marc. Er erzählt uns einige Storys über das Gastgewerbe in Sambia und über Sambia selbst. 86% der Leute haben keine Anstellung und nur etwa 9% bezahlen Steuern. Dafür liegt die Unternehmersteuer bei 54% und es gibt für seinen Betrieb mehr als 22 verschiedene Steuern für alles Mögliche. Der Staat ist pleite und kann keine Infrastruktur bieten. Dafür verschenken die NGO’s grosszügig Maisrationen. Als ein Staatsmitarbeiter dieser sehr fruchtbaren Gegend am Radio sagte, es gebe Hunger hier, bekam jeder Haushalt sofort 10 Säcke Mais von der US AID. 6 Säcke wurden sofort zu Bier vergärt, woraufhin die halbe Bevölkerung ein paar Wochen besoffen war, 2 Säcke verkauft und der Rest gegessen. Gearbeitet wurde für diese Zeit nicht mehr.

Von den beiden Familienbetrieben in dieser Gegend hängen 16'000 Menschen ab und trotzdem erfinden die Behörden ständig neue Methoden um auch etwas von dem Erfolg abzukriegen. So wollten sie die heissen Quellen zum National Heritage machen, damit der Staat Eintitt verlangen kann. Die Quellen liegen aber auf dem privaten Gelände der Lodge, ein Eintritt wäre wohl ein grosses Hindernis, denn für Tagesbesucher liegen die Quellen zu weit abgelegen.

Die Arbeiter hier sind mit wenig zufrieden, so scheiterte der Souvenirshop nicht etwa am Absatzmarkt sondern an der Produktion. Marc fragte mal seinen Kuhhirten, er sitze doch 8 Stunden am Tag nur unter dem Baum bei den Kühen, warum er nicht etwas schnitze, um es als Souvenir verkaufen zu können. Der Arbeiter sagte: Ach Bwana, du bezahlst mich 8 Stunden pro Tag damit ich hier bei den Kühen sitze, wenn Du damit zufrieden bist, ich bin glücklich so.

Bei den vielen Steuern erstaunt es nicht, dass kein richtiges Unternehmertum entstehen kann. Dazu kommt, wie überall in Afrika, dass wenn einmal Not herrscht die ganzen NGOs kommen und aushelfen. Für mich sind diese die wirklichen Neokolonialisten. Aus dem schlechten Gewissen des Westens heraus meinen sie es gut, meist mit sich selbst und wollen den „armen Schwarzen“ helfen, weil diese es ja selbst nicht schaffen. Die Weissen hier, die seit Generationen am Aufbau des Landes mitarbeiten, werden durch die neunmalklugen NGOs oft als Kolonialisten beschimpft. Im Gegensatz zu den Buren in Südafrika erleben wir die weisse Bevölkerung in Sambia als mehrheitlich sehr differenziert, modern und aufgeschlossen. Schwarz und Weiss scheinen hier ziemlich harmonisch miteinander zu leben.

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