Fr

22

Okt

2010

Sambia's Liuwa Plains - „Serengeti“ ganz für uns alleine

Die Liuwa Plains im Westen Sambias – für uns ganz alleine. Am Morgen hält uns nichts mehr im Camp. Wir machen uns um kurz nach sechs morgens auf, um die Plaines zu erkunden.

Wir sehen einige kleinere Gnu Herden, jedoch nicht so viele wie erhofft. Die Migration der Gnus scheint erst zu beginnen. Macht nichts, wir freuen uns an der unendlichen Weite der Plains, goldgelb bis zum Horizont, dazwischen Palmen Inseln und kleinere Tümpel. Wir suchen ein Wasserloch, denn es ist eine unserer liebsten Aktivitäten, einfach an einem Wasserloch zu sitzen und das Kommen und Gehen der Tiere zu erleben. Wir finden das im GPS angegebene Wasserloch nach längerem suchen tatsächlich und staunen nicht schlecht: da liegen sechs Hyänen mehr oder weniger tief im Wasser. Es gibt eine grosse Gruppe der bezaubernden, eleganten Kronenkraniche, und auch ein paar Klunkerkraniche tummeln sich am Wasser. Wir hören einen African Fish Eagle mit seinem unverkennbaren Ruf. und kleinere Shorebirds staksen durch das niedrige Wasser. Einmal steht eine der Hyänen auf, geht aus dem Wasser, läuft ca. 100 Meter ins Gras, pinkelt und marschiert wieder ins Wasser. Offensichtlich pinkelt man bei Hyänen nicht in sein eigenes Badewasser. Sind das nicht wunderbare Tiere?

Nach gut 2 Stunden am Wasserloch wird es sehr sehr heiss, wir ziehen uns in den Schatten des Camps zurück.

Am Nachmittag steht ein Besuch der lokalen Schule auf dem Programm. Mr. Nyambe muss an eine Versammlung und kann uns daher nicht begleiten. Mr. Agri scheint etwas nervös. Ich überlasse ihm meinen Platz vorne und setze mich hinten ins Auto. Wir fahren 30 Minuten durch die Plains und entlang Wiesen mit kleinen Dümpeln. Dann treffen wir auf ein paar Speerfischer. Ich steige aus und begrüsse die Fischer mit den paar Worten in der lokalen Sprache „Lui“, die wir gelernt haben. Sie lachen und freuen sich und wundern sich wohl auch ein bisschen. Sie zeigen uns, wie sie fischen: sie stehen in ein Kajak ähnliches Boot und stechen mit einem sehr langen Speer immer wieder ins dunkle Wasser. Sie können nicht sehen, wo die Fische sind und landen doch immer wieder einen Treffer. Ich bin fasziniert. Wir dürfen fotografieren. Es gibt ein grosses Gelächter, als wir ihnen die Fotos zeigen. Wir verabschieden uns richtig herzlich und fahren weiter zur Schule. Als erstes werden wir von dem Schulleier begrüsst, ein junger Mann, der völlig aus dem Rahmen fällt, weil er als einziger saubere Kleider ohne Löcher oder Risse trägt. Er begrüsst uns herzlich, freut sich über die Lui Worte, mit denen wir uns respektvoll an ihn wenden. Er führt uns auf den Schulhof, wo eine grosse Gruppe Kinder und Jugendliche gerade ein Lied beenden. Sie üben für den morgigen Independence Day, wo die ganze Gegend zusammenkommt, singt, tanzt und isst. Der Lehrer sagt ein paar Worte zu ihnen und sie stellen sich als Chor auf, jede und jeder mit einer Schärpe um die Hüfte gebunden. Gü und ich begrüssen sie in Lui und wir staunen, wie alle mit einem Knicks zurückgrüssen. Die kleinen stehen abseits, total verdreckt, schüchtern und über die Weissen staunend. Ich mache ein paar Fotos und zeige sie ihnen. Da bricht das Eis und alle Kleinen wollen ganz nah bei uns stehen. Dann geht der Chor los und ich bekomme Gänsehaut, so sehr berühren mich die kräftigen Stimmen und die Trommeln. Es ist phantastisch. Nach dem ersten Lied folgt ein zweites, bei welchem sie im Kreis tanzen, um die Trommler herum, mit schnellen kurzen Schritten, sich in den Hüften wiegend und immer wieder Hände klatschend. Der Lehrer schaut mich auffordernd an, ich ziehe meine Schuhe aus, bekomme eine Schärpe verpasst und schon stehe ich in der Reihe und tanze, klatsche und wackle mit den Hüften. Alle freuen sich – wohl weil die Weisse keine Ahnung hat, was sie da macht – und ich habe super Spass, was für ein Erlebnis!

Nach zwei Liedern ist die Show vorbei, denn die Kinder haben noch einen weiten Weg nach Hause. Wir wechseln noch ein paar Worte mit dem Lehrer und geben eine Spende an die Schule. Mr. Agri schirmt uns wie ein Bodyguard von allen ab, er scheint besorgt, dass uns jemand etwas antun könnte. Tatsächlich kommt eine betrunkene Frau auf uns zu und spricht uns mit harten, agressiv scheinenden Worten an. Er wimmelt sie sofort ab. Wie merkwürdig. Wir verabschieden uns von den Kindern und speziell von den Kleinen, die uns auf Schritt und Tritt verfolgen. Wir können fast nicht losfahren, weil alle um unser Auto stehen: noch ein Abschiedswort, noch ein Winken, noch ein Dank und noch ein Gruss. Wir danken, winken und grüssen zurück. Mr. Agri scheint total erleichert. Wir sitzen zu Dritt vorne im Auto, ich auf der Mittelbox und fahren quer über die Plains ins Camp zurück. Die Anweisung von Mr. Agri lautet „geradeaus bis zu den drei Zebras und dann rechts“. Eine perfekte Navigationsanweisung an einem perfekten Tag.

 

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