Do

21

Okt

2010

Unsere grösste Aventüre

Heute fahren wir in die Liuwa Plains, alleine. Wir waren gewarnt, der Hupe Reiseführer beschreibt die Strasse von Mongu nach Kalobo als sehr schwierig, tiefsandig und schwer zu finden.

Es wird empfohlen die Strecke nur mit zwei Fahrzeugen zu befahren. 2003 hatten die Kuwaiti begonnen einen Damm zu bauen mit dem Ziel, einer durchgehenden Teerstrasse nach Angola. Bereits in der ersten Regensaison wurden Teile des Dammes weggeschwemmt, zurück blieb eine Bauruine. Nun haben die Chinesen das ehrgeizige Bauprojekt wieder aufgenommen. Stand 2007. Wir wagen das Abenteuer mit der Hoffnung, dass die Chinesen etwas erfolgreicher waren. Wir verlassen Mongu um acht Uhr. Bereits die Einfahrt auf den Damm existiert nicht mehr. Die Zufahrt finden wir nur weil gerade ein Fahrzeug durchfährt oder besser gesagt durchklettert. Im ersten Geländegang mit Differenzialsperre geht’s durch die erste Passage. Die ersten Kilometer geht’s entlang des Dammes und dann weiter auf dem Damm, welcher aus löchrigen und holprigen oder tiefsandigen Abschnitten besteht. Eine Off-Road Kiesgrube in der Schweiz ist da ein Schleck dagegen. Immer wieder fehlen Stücke des Dammes, dass heisst es, eine Abfahrt zu suchen und auch wieder eine Auffahrt zu finden. Irgendwann bei Kilometer soundso finden wir keine Spuren mehr, die Abfahrt vom Damm klappt noch, rauf kommen wir nicht mehr, wir stecken im Sand fest. Wir beschliessen, uns rückwärts wieder aus dem Sand zu kämpfen und schaffen es auch. Nun stehen wir ziemlich ratlos auf dem Damm mit einer grossen Lücke vor uns. Seitlich kommt ein Ochsenwagen mit einer Art Kanuschlitten dem Damm entlang. Freundliches wortloses Grüssen, man klatscht hier zweimal in die Hände und ich rufe Sha, was soviel heisst wie Hallo, aber auch eine gewisse Ehrerbietung ist. Der Mann deutet mir, dass wir zurückfahren müssen und einen weiten Bogen über die Ebene nehmen sollen. Ich bedanke mich „nitümetse“ und er strahlt mich an und klatscht wieder in die Hände. Wir fahren ein Stück zurück und finden die Abfahrt und die Umfahrung, auch diese ist sehr tiefsandig aber machbar.

Nach 45 Km und etwa 3 Stunden kommen wir an eine Fähre, die uns über den Sambesi bringt. Auf der Fähre bekommt Nathaly noch eine gratis Lektion Sprachunterricht. Irgendwo später im Nirgendwo beginnt eine gute Teerstrasse, wir glauben es kaum. Nach 5 Stunden sind wir in Kalabo, wo wir im Headquarter des Liuwa Plains National Parks die Eintrittsformalitäten abwickeln. Entgegen allen Berichten ist es überhaupt kein Problem einen Platz im Park zu bekommen. Das Paperwork dauert etwa eine halbe Stunde, während der wir uns mit Charity, eine der Angestellten, unterhalten und erfahren, dass in 2 Tagen Independence Day sei. Sie lädt uns ein, mit ihr zu feiern, sollten wir dann zurück sein von den Plains.

In Kalobo müssen wir nochmals eine Fähre nehmen, diesmal eine handbetriebene. Die Fährmänner sind ganz atypisch wort- und grusslos. Irgend etwas kommt mir komisch vor. Auf der anderen Seite kassiert einer der beiden 40'000 Kwacha, eine Quittung will er nicht ausstellen. Als ich nach der Abfahrt von der Fähre im Sand stecken bleibe, kommt plötzlich ein „Offizieller“, notiert unsere Autonummer und trägt uns ins Buch ein. Als er kassieren will, sagen wir, wir hätten bereits beim Fährmann bezahlt. Es gibt eine riesige Diskussion und einer der Umstehenden wird gepackt und leider schuldlos des Betrugs bezichtigt. Ich hatte auf der Fähre fotografiert und zeige dem offiziellen Fährmann die Fotos, woraufhin er uns ziehen lässt und in den Busch rennt. Schade, es gibt uns ein schlechtes Gefühl des Betrogenseins obwohl doch die Sambier sonst so freundlich sind. Nach weiteren drei Stunden durch teilweise Tiefsandspuren, Geamtreisezeit 8 Stunden für 130 km, kommen wir in den wunderschönen Liuwa Ebenen im Camp an und werden freundlich von Mr. Nyambe und Mr Agri empfangen. Wir sind die einzigen Gäste, das Plätzchen und die Abolutions sind sehr einfach, aber gut gepflegt, die Aussicht auf die Plaines und ein paar Gnus und Zebras ist wunderbar. Und weit und breit sind wir die Einzigen non-locals.

Wir haben das Abenteuer auch fotografiert.

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