Di
12
Okt
2010
Tierische Action auf dem Camping – und wir mitten drin
Der Early Morning Drive im Mana Pools National Park ist nicht erwähnenswert. Zurück auf dem Camping beschliessen wir, unser Auto, Tisch und Stühle für den Tag näher ans Flussufer zu verlegen, dort hat es wesentlich mehr Schatten und auch Wind.
Diese Plätze kosten 100US$, eine Reihe dahinter zahlen wir 20$ pro Person. Zum Glück gibt es kaum Gäste und niemand stört sich daran oder kontrolliert, wer denn nun wo den Tag verbringt.
Es wird unglaublich warm, wir pendeln zwischen Dusche und Schatten hin- und her, machen unsere Hemden nass, damit die Kühle etwas länger anhält, und bekämpfen zwischendurch Meerkatzen, die auch diesmal erfolgreich eine Zuckerdose geklaut haben. Wenn Gü in der Nähe ist, trauen sie sich nicht heran, aber wenn ich allein bin, dann kommen sie von überall her, lenken auf der einen Seite ab und stehlen auf der anderen Seite vom Tisch. Ich bin untröstlich. Gü bastelt mir eine Steinschleuder. Und tatsächlich, das Ding kennen sie und so wagen sie sich nicht mehr so nahe heran. Die Zuckerdose fällt auch irgendwann vom Baum, der Deckel separat dazu, nun mit 2 statt 4 Laschen, aber noch absolut brauchbar.
Nachmittags messen wir 42 Grad im Schatten, wir können uns kaum mehr bewegen – das ist zu heiss und wir entscheiden, am nächsten Tag wieder abzureisen. Es muss ja sehr toll sein hier, aber irgendwie scheint es für uns nicht zu passen, zu viele Lästigkeiten und dann noch die Hitze, die uns das schöne Erlebnis verderben.
Doch davor gibt uns Mana Pools einen Einblick in das, wofür es berühmt ist – wilde Tiere. Es ist schon fast dunkel. Wir wollen die Nudeln vom Vortag am Lagerfeuer wärmen. Gü schmeisst das Feuer an, ca. 8 Meter vom Auto entfernt. Wir haben uns so platziert, dass wir das Feuer vor uns und das Auto und das Zelt schützend hinter uns haben. Wir sind damit beschäftigt, Getränke und Geschirr für das Abendessen rauszunehmen, da hören wir viele Tiere galoppieren. Wir leuchten mit der Taschenlampe und bekommen bestätigt, dass es eine grössere Gruppe Impalas sind, die rund um uns herum in grossem Tempo rennen. Das bedeutet, dass irgendwo der Jäger sein muss, der die Tiere aufgescheucht hat. Wir sehen uns um, doch können nichts entdecken. Ich gehe hinten um das Auto herum auf die Beifahrerseite, um etwas aus dem Kühlschrank zu nehmen, da sehe ich einen Schatten vor dem Auto. Meine Stirnlampe ist kurz vor dem Geistaufgeben und leuchtet gerade mal einen Meter weit, so rufe ich Gü und bitte ihn zu dem Schatten zu zünden. Vor uns, ca. 15 Meter entfernt geht ganz entspannt eine Löwin am Auto vorbei. Ich habe keine Angst, bin vielmehr fasziniert und will mehr sehen, und Gü geht es gleich. Wir hüpfen ins Auto auf die Vordersitze, ich von hinten durch das Auto, Gü um das Auto herum. Er zündet die Scheinwerfer an und vor uns stehen zwei Löwinnen und zwei Hyänen, erstere haben wohl gejagt und zweitere wollten wohl sehen, ob die Löwinnen erfolgreich waren dabei, um auch etwas abzubekommen. Fantastisch! An ein Kochen auf der Feuerstelle ist nicht mehr zu denken. Anstelle von warme Nudeln gibt es nun Nudelsalat mit Tierspektakel. Die Löwinnen ziehen sich etwas zurück unter einen Baum genau vor uns, neben der Toilette/Dusche. Gü will gerade die Nachbarn warnen, dass sie nicht zu Fuss auf die Toilette gehen können, da sehen wir, dass auch sie sehen, denn ihre High-Volt-Taschenlampe erleuchtet den ganzen Platz. In der Zwischenzeit sehe ich hinter den Wurzeln des Baums etwas Beiges rumpurzeln. Da sind zwei Löwenbabies am spielen, die Löwinnen liegen etwas abseits im Gras. Auch die Hyänen schleichen noch rum. Irgendwann verabschieden sich die Katzen. Wir steigen aus und halten mit der Taschenlampe Ausschau, ob die Lage sicher ist. Wir sehen links von uns, da wo sich die Hyänen hinverzogen haben, mindestens 20 Augenpaare. Kann das ein riesiger Hyänen Clan sein? Irgendwie scheinen die Augen anders, blauer, und auch weiter auseinander. Etwas später bewegt sich die Gruppe zu uns und wir sehen eine grosse Herde Büffel gemütlich durch’s Camp grasen. Vor diesen Tieren haben wir einen grossen Respekt, einmal aufgeschreckt, rennen sie einfach los und überrennen alles, was ihnen gerade in die Quere kommt. Gü macht noch den Versuch, Wasser auf dem Feuer zu kochen, es gelingt ihm zwar, jedoch mit mulmigem Gefühl, denn einen Moment lang steht er keine sieben Meter Auge in Auge mit einer neugierigen Hyäne. Es erschrecken beide und sie zottelt wieder ab. Zum Abschluss kommen dann auch noch zwei Nilpferde ins Camp zum Grasen, fast wie abgesprochen mit den Büffeln, die sich inzwischen in das trockene Flussbett verzogen haben, das unser Camp umschliesst. Alle Tiere bewegen sich mit Vorliebe links und vor unserem Auto rund um die Toilette. Da werden wir heute wohl nicht mehr hingehen, wir benutzen den Busch.
Was für ein Abend, was für ein Spektakel, so versöhnen wir uns wieder mit Mana Pools. Wir werden zurückkommen, einfach wenn es etwas kühler ist.
