Mi
06
Okt
2010
Zwei stattliche Löwenmänner
Doch noch trifft auf der Guvalala Platform ein, was die Frau bei der Buchung sagte „you don’t want to stay there – Ants!“
Der Boden in der Toilette ist übersäht, auch in die Dusche haben sie reingefunden. Wir packen unsere Sachen und reisen schnell weiter, denn wenn wir einmal Ameisen im Auto haben bringen wir sie nie mehr los.
Wir machen einen grossen Loop zur Kennedy Pan. Wie immer in Hwange sehen wir keine Tiere während der Fahrt. Natürlich gibt es auch hier die Ausnahme, sogar eine eindrückliche: Wir begegnen einer grossen Elefanten Herde unter einem Baum. Unser Weg führt erst auf sie zu und biegt auf ihrer Höhe nach links ab. Wie wir auf sie zufahren, weichen sie zurück. Wie wir seitlich an ihnen vorbeifahren, kommen sie wieder zurück. Und als wir sie hinter uns lassen, folgen sie uns ein Stück mit flatternden Ohren. Wirklich unheimlich.
Wir kommen im Kennedy Camp an, welches ganz im Osten des Hwange NP liegt. Wir warten auf Andrea und Adrian, welche wir vor zwei Tagen Mittags bei einem Restcamp kennengelernt haben. Sie haben das Camp einen Abend gebucht, wir die beiden nächsten Tage. Spontan haben wir beschlossen, gemeinsam die Tage dort zu verbringen. Es ist ein riesiges Camp und wir haben es ganz für uns vier. Die beiden Attendants, die sich um das Camp und die Gäste kümmern, sind unglaublich unterstützend, liebenswürdig und herzlich. Vincent, einer der beiden, meint, es sei ihre Aufgabe, die Gäste glücklich zu machen. Er wäscht unser Geschirr ab, macht unsere Wäsche und bereitet das Lagerfeuer vor. Wir fühlen uns rundum verwöhnt und können unser Glück gar nicht glauben. Es ist die perfekte Kombination: wir schlafen in unserem gemütlichen Bett und kochen unser leckeres Essen, aber bekommen sonst absoluten Hotelservice.
Kurz nach unserer Ankunft fahren auch Andrea und Adrian im Camp ein. Wir setzen uns in eines der schattigen Bandas und quatschen den ganzen Nachmittag. Wir machen uns gegen 17h auf die Sundowner Fahrt, wir wollen uns ans Wasserloch setzen (natürlich im Auto), das Kommen und Gehen der Tiere geniessen und ein Bier trinken. Andrea und Adrian sind den ganzen Tag gefahren und wollen sich erst mal einrichten und duschen. Am Wasserloch angekommen sehen wir einen Mann und unseren Attendant Vincent an der Pumpe hantieren. Danach fährt der Mann neben unser Auto und gibt uns den Tipp, hier zu warten, es seien zwei Löwen in der Gegend und es könne sein, dass sie ans Wasserloch kommen, entweder um zu trinken oder zu jagen. Auf seinem Auto steht gross „Friends of Whange Trust“. Wir haben darüber gelesen. Dank diesem Trust konnte der Hwange NP überhaupt überleben und die Wilderei massiv eingeschränkt werden. Sie kümmern sich um den Einsatz, Ausrüstung und Ausbildung von Rangern und um die Wasserpumpen, ohne welche die Tiere entweder abwandern oder eingehen müssten. Eine wirklich gute und unterstützenswerte Arbeit. Wir warten. Irgendwann sagt Gü „jetzt han i gmeint, ich gseh en Loi“. Ich schau in die gleiche Richtung und sage „Gü, das isch en Loi“ – und tatsächlich, mitten in der Ebene sitzt ein stattliches Löwenmännchen mit mächtiger, schwarz-beiger Mähne, und gleich dahinter kommt ein weiterer Löwenmann, dieser mit heller Mähne. Sie kommen auf das Wasserloch vor unserer Nase zu, trinken eine Runde und schreiten dann auf unserer Seite des Wasserlochs vorbei. Wir fahren ihnen mit respektvollem Abstand hinterher, immer wieder bleiben sie stehen oder legen sich kurz hin. Eine Weile fahren wir parallel und wir sehen die beiden aus wenigen Metern Distanz. Sie schlendern gelassen in Richtung unser Camp. Sie sind riesig, präsentieren pure Kraft, wir haben auf keiner unserer Afrikareisen so grosse, so mächtige Löwen gesehen. Wir können unser Glück gar nicht glauben. Zum Schluss legt sich der eine Löwe einen Meter neben die Strasse, auf der wir stehen und posiert für ein paar tolle Fotos. Wenn er mich anschaut, geht das durch und durch und ich muss die Luft anhalten, so eindrücklich ist das Erlebnis. Wir sind wieder einmal reich beschenkt und sehr dankbar dafür. FOTOS
Abends sitzen wir mit Andrea und Adrian gemütlich am Lagerfeuer. Gü und ich werden mit leckerem Risotto und wunderbarem Rotwein verwöhnt, ein perfekter Abschluss eines wunderbaren Tages im Busch.
