Mo

27

Sep

2010

High Tea and Hawker at Victoria Falls

Wir sind noch im Senyati Camp. Zum Frühstück gibt’s Elefanten, Rappenantilopen und Fliegen, d.h. die ersteren am Wasserloch und die letzteren überall um unser Bungalow, wohl weil unser Müll für sie lecker riecht.

Einer nach dem anderen unseres deutschen Hofs verabschiedet sich, erst Detlev, dann Heinz und Sigi. Schliesslich nehmen wir selbst Abschied vom Camp und Lou, unserem sehr symphatischen Gastgeber. Wir werden wiederkommen, da sind wir sicher, vielleicht sogar schon auf dieser Reise. Wir fahren Richtung Victoria Falls bzw. zuerst an die Grenze nach Simbabwe. Dies ist unser dritter Grenzübergang in 10 Tagen. Es klappt alles gut, die Beamten sind gelassen freundlich. Es folgt eine ereignislose, eher langweilige Strecke nach Victoria Falls, der Ort, der wegen seiner Fälle allein vom Toursimus lebt. Ganz Simbabwe muss fast Jahrzehnte lang ohne Tourismus auskommen, doch die Vic Falls sind ein Dauerrenner. Ein paar Locals erzählen uns dann doch, dass es wesentlich ruhiger ist in Vic Falls. Wir beschliessen im Vic Falls Rest Camp zu übernachten, es ist zwar teuer aber sicher scheinend. Auf der Camping Site ist uns sofort klar: hier werden wir nicht kochen. Es gibt etwas Schatten, doch das Ganze ist lieblos. Wir sind dennoch froh über funktionierende und saubere Duschen und Toiletten.

Wir schlendern zu Fuss durch den Ort Richtung Vic Falls Hotel, es ist ein Spiessrutenlauf mit den Hawkern, lästige Strassenverkäufer und Bettler: „want to buy old Zim Dollars, want to buy neckless, want to buy lovely shona statue, do you have old shirts for me, do you have a dollar, I am hungry .....“. So geht es den ganzen Weg. Erst begegnen wir ihnen freundlich, doch das ist definitiv die falsche Taktik, so folgen sie uns mehr als wenn wir abweisend sind. Also sind wir abweisend. Es tut uns leid.

Ich bin aufgeregt, High Tea im Vic Falls Hotel, davon erzählt mir Gü schon seid Jahren und jetzt erleben wir es gemeinsam. Es tut null Abbruch, dass er schon mal mit Annette da war, vor fast 20 Jahren, so konnte er mir ja erst erzählen wie speziell es ist. Vor lauter Aufregung jogge ich fast hin, dann merke ich, wie atemlos ich plötzlich bin und verringere mein Tempo. Es ist sehr warm und auch schwül, echt anstrengend. Gü meint ich brauche nicht nervös zu sein, dabei bin ich freudig aufgeregt! Das Hotel ist wunderschön, ehrwürdig, kolonialistisch, nicht protzig sondern stilvoll, freundlich, einladend. Die Räume sind luftig und mit alten Ansichten des Hotels und der Vic Falls dekoriert, hie und da auch ein Bild von einer Königin oder einem General oder einem schwarzen Buschkönig, alles sehr eindrücklich und doch wohlfühlend. Die teilweise überdachte Terrasse gibt einen schönen Ausblick auf eine der Zambezi-Schluchten und auf die berühmte Eisenbahnbrücke, die damals noch von Cecile Rhodes initialisiert worden war – sein Traum war eine Zugsverbindung vom Cape bis nach Kairo. Heute machen sie Bungi-jumping und Flying Fox von der Brücke, irgendwie irritierend. Wir sind früh und bekommen einen wunderbaren Vierertisch mit schöner Aussicht. Wir bestellen Rooibos Tee und High Tea. Dieser besteht aus einer dreistöckigen Etagiere, zuunterst leckere Sandwichs, dann Scones, dann vier Sorten Küchenstückchen, alles super lecker. Wir starten mit der Mitte, gefolgt vom Kuchen, und zuletzt mit Sandwiches mit einem Bier bzw. für mich einen Pimms & Tonic. Ich bin total begeistert, über’s Essen und die Atmosphäre. Nachdem wir alles bewältigt haben, sind wir wohlig erschöpft. Abendessen brauchen wir keines mehr. Wir wollen noch den Fussweg zu den Falls nehmen, doch es ist unglaublich schwül. Wir schleppen uns statt dessen zurück auf den etwas trostlosen Camping, begleitet von Hawkern. Ich lerne unterwegs was „Nein, danke“ heisst auf Ndebele „Hatsch, nyabonga“, doch leider scheinen die Hawker nicht zu verstehen, was NEIN heisst, weder auf Englisch noch in ihrer eigenen Sprache. Sie sind überall, bis uns ein Tourist Police ins Camp begleitet, da kommen wir völlig unbelästigt bis zum Camp und bekommen noch ein paar Geschichten über das Leben in Vic Falls zu hören. Er freut sich über ein gern gegebenes Trinkgeld, denn sein Salary sei very low und die School term fees very high. Wir sitzen abgekämpft vom vielen Essen, den Drinks und der feuchten Hitze noch eine halbe Stunde rum und gehen schon um 19h schlafen.

 

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