Di
27
Jul
2010
Unentdecktes Moçambique
Nach einem schnellen Tee geht es früh los, wir wollen Richtung Zimbabwische Grenze einmal quer durch’s Land.
Erst geht die Strecke noch entlang der Küste und wir überqueren den Rio Save über eine riesige Brücke. Kurz darauf schon biegen wir ab ins Landesinnere. Wir sind sehr gespannt auf die Menschen und die Dörfer. Unsere Vermutung wird bestätigt, dass mit der Distanz von der Küste auch der Touristenrummel und die „Sweets“ Rufe verstummen. Bei Dombe überqueren wir den Rio Lucite auf einer abenteuerlichen Fähre, auf der gerade mal unsere beiden Autos und ein paar Fussgänger Platz haben. Sie wird von Hand mit einem Rad betrieben. Am Flussufer liegen schmale Boote, wie Kanus, aus einem Stück Rinde eines grossen Baumes gefertigt. Auch die werden alternativ von Fussgängern zum übersetzen auf die andere Seite genommen, mir scheint, ein grosser Balance Akt.
Die Strasse führt durch immer grüner werdende Landschaft, mit wenigen kleinen Siedlungen. Wir winken den Menschen zu und sie winken schüchtern zurück. Oft kommen hier wohl keine Autofahrer vorbei. An einem Ort gibt es Orangen auf einem Tisch am Strassenrand. Wir halten und wollen fragen, ob wir welche kaufen können. Der Mann kommt zögernd auf uns zu, beide Parteien scheinen nur schwach in Portugiesisch bewandert zu sein, aber wir verstehen uns mit Handzeichen und Lächeln. Er weiss gar nicht, was er dafür verlangen soll und nennt eine Zahl in den Tausenden, die Währungsreform ist noch nicht bis hierher gedrungen. Keine Minute später sind wir vom halben Dorf umringt, alle ganz gespannt, was diese beiden merkwürdigen Leute in dem noch merkwürdigeren Gefährt hier wollen. Sie sind fröhlich und wir verabschieden uns gegenseitig herzlich.
Die Strasse klettert schmal und kurvig in die Berge hoch, dahinter geht eben die Sonne unter. Wir sehen im Dämmerlicht mit Wäldern und Sträuchern grün bewachsene Abhänge. Um 18h geht der kleine Grenzposten Espungabera zu, es ist 17.30h, wir müssen uns sputen und können die eindrückliche Szenerie nur kurz bestaunen. In dem dunkeln Grenzgebäude sitzen drei Beamte hinter einer langen Theke. Sie begrüssen uns freundlich und mit Interesse. Wir starten mit den Pässen und bekommen eine sympathische Beratung über die verschiedenen Visumsmöglichkeiten. Wir wählen ein Double-Entry Visum, für jeweils einen Monat, man weiss ja nie, ob man nicht noch mal zurückkommt – was sich in wenigen Tagen bewahrheiten wird. Während die fröhliche, kompetente Beamtin die Passformalitäten abwickelt, gibt sie uns jede Menge Tipps über Zimbabwe, die Menschen, das richtige Benehmen und tolle Sehenswürdigkeiten. Es ist fast 18h und wir haben die Visa noch nicht, geschweige denn die Zollformalitäten erledigt. Ich frage die beiden Beamten , ob wir denn schon mit dem Carnet starten könnten. Sie bestaunen die Unterlagen, doch wissen sie nicht, um was es geht. Ich erkläre, dass es sich um eine Art Pass für das Auto handelt und dass wir es bei jeder Ein- bzw. Ausreise abgestempelt haben müssen. Das machen sie gerne. Dann müssen wir natürlich auch noch die obligatorische Third Partie Insurance abschliessen und die Road Tax und Carbon Tax bezahlen. Für alles werden einzelne Quittungen erstellt und mit verschiedenen Stempeln versehen. Spannend ist, dass sie das alles ohne Licht machen müssen. Sie haben keine Lampen oder Kerzen, so stellen sie alle Unterlagen im Licht des Displays ihrer Handys aus. Wir holen unsere Tischlampen aus den Autos und die Beamten freuen sich. Die Beamtin ist inzwischen fertig und wir erhalten unsere Pässe mit Visa zurück. Um 18.30h kommt ein weiterer Beamter herein. Er wurde offensichtlich benachrichtigt. Erst meint er mürrisch, warum zu spät Kommende überhaupt noch abgefertigt werden, doch die Kollegen bestätigen sofort, dass wir bereits um 17.45h hier waren, also pünktlich. Er wird versöhnlich, macht fröhlichen Small-Talk mit seinen Mitarbeitern und uns. Dann wird es ernst, er will unsere Autos sehen. Er sieht sich alles gründlich an und will wissen, was da und dort drinnen ist. Wir erklären oder zeigen es ihm. Er dreht sich um zu seinen Mitarbeitern, die alle auch mitgekommen sind nach draussen, und meint „We have a problem here“. Mir schiessen die Gedanken durch den Kopf: „Oh nein! Was kann das sein? Nicht mitten in der Nacht und im Dunkeln!“ Die Mitarbeiter schauen ihn besorgt an, und er ergänzt „this car is so nice, I will go travelling with them, I want to stay in this car“. Gelächter bei allen, grosse Erleichterung bei mir und nach einer herzlichen Verabschiedung sind wir in Zimbabwe und fahren auf einem dunkeln Waldweg den Berg hinunter.
Hier findet Ihr ein paar Fotos von unserer Fahrt durch das Moçambiquanische Hinterland.
